MTB-Tour im „Dunkelwald“ im mittleren Erzgebirge

Miriquidi 02Miriquidi nannten die alten Germanen den undurchdringlichen Urwald, der sich ursprünglich über weite Teile Sachsens und die Kammlagen des Erzgebirges erstreckte. Heute wurde er zum Namenspaten für eine sportliche Herausforderung durch 2 Länder, über 9 Berge, 162 Kilometer und 4400 Höhenmeter. Die höchsten Gipfel des Erzgebirges, traumhafte Ausblicke, Grenzerfahrungen und ein Naturerlebnis voller Emotionen sind garantiert.

Wer den Stoneman Miriquidi an einem Tag fährt, wird als Finisher mit einer Trophäe in Gold belohnt, für zwei Tage mit Silber, für drei Tage mit Bronze. Wir entscheiden uns für die 3-Tages-Variante, um auch Zeit für die kulturellen, geschichtlichen und geologischen Highlights der Erzgebirgslandschaft einzuplanen.

Etappe 1 46 Kilometer/950 Höhenmeter/ 6 Stunden im Sattel

Los gehts von Oberwiesenthal Richtung Norden mit kurzer Steigung durch dunklen Wald und der “Miriquidi” macht seinem Namen alle Ehre. Also einfach immer den gelben Schildern mit den typischen Steinmännern hinterherjagen. Es folgen viele Auf und Ab's und auch der Anstieg auf den Bärenstein ist mit 150 Höhenmetern moderat. Auf dem Gipfel dann die erste Kontrollstelle: die Starterkarte in den speziellen Locher stecken und durchdrücken. Nur wer alle neun Gipfel eingelocht hat, bekommt auch die Trophäe. Eine lange Abfahrt in den idyllischen Pöhlagrund müssen wir mit knackigen 300 Höhenmetern hoch zum Pöhlberg ausgleichen. Auf den letzten Metern geht es auf der Trasse der schon fast 100 Jahre alten Bobbahn hoch. Seinen Namen hat das Erzgebirge nicht von ungefähr. Überall finden wir Relikte einer durchwühlten Bergbauregion. Der alte Bergbaugruß “Glück auf!” wird heute noch gewechselt, wenn wir Wanderern begegnen. Ein schöner Brauch.  Nach viel Waldeinsamkeit folgt noch die Abfahrt nach Annaberg, bevor wir uns  zum Tagesziel auf dem Scheibenberg hocharbeiten.

Etappe 2 52 Kilometer/1411 Höhenmeter/7 Stunden im Sattel

Miriquidi 04Die zweite Etappe legt in puncto konditionelle Anforderungen deutlich zu, denn es sind ordentlich steile Passagen und reichlich Höhenmeter zu meistern. Die steile Auffahrt zum Oberbecken kommt uns fast wie das Bezwingen eines Berggipfels vor, obwohl es nur ein Staubecken ist. Es folgt ein langer Anstieg von über 400 Höhenmetern mit einem Steilstück, bis wir dann über einen Kammweg den Rabenberg erreichen. Rabenschwarze Aussichten, denn auch für die “steinhärtesten” Waden verliert der Stoneman so langsam seinen Spazierfahrtcharakter. Nach einer Stärkung im “Trailcafe” auf dem Rabenberg erwartet uns eine der fahrtechnisch schönsten Abfahrten in Deutschlands erstem Singletrail-Park: Eine mit Anlegern und Holzelementen garnierte Strecke mit hohen technischen Anforderungen – die auch Teil der Bergab-Weiterfahrt auf dem Stoneman ist. Auch wenn die Beine nach der Pause richtig schwer sind, der Fahrspaß im Zickzack durch den Wald ist ein idealer Muntermacher. Das Ziel vor Augen schaffen wir auch noch den finalen Aufstieg auf den Auersberg (1019 m) und  die Abfahrt nach Johanngeorgenstadt durch schöne Natur mit Seen und Hochmooren. In der Jugendherberge lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Etappe 3  63 Kilometer/1750 Höhenmeter/8 Stunden im Sattel

Miriquidi 05Endspurt auf dem Stoneman.  Nach dem Grenzübertritt nach Tschechien – der Vietnamesenmarkt entlang der Straße mit T-shirts, Schuhen,  Brillen, Zigaretten und dem “Kiss-Club”. Aber wir haben keine Zeit für solche Verlockungen, denn der Tag ist noch lang und wird zum Schluss noch steinhart. Finales Einlochen der Karte am Checkpoint auf dem 1028 Meter hohen Plesivec. Auf Deutsch: Pleßberg. Auch in Tschechien gelten die gleichen Regeln des Stoneman und der Trail ist mit den gleichen Schildern bestens ausgewiesen. Von hier sind es noch knallharte 26 Kilometer und 950 Höhenmeter hinüber zum 1244 Meter hohen Klinovec, dem höchsten Gipfel des Erzgebirges. Auf dem Weg dorthin finden wir uns bei Jachymov plötzlich mitten in einer Großbaustelle wieder. Ohne Rücksicht auf die Natur wird hier mit schwerem Gerät ein Skigebiet aus dem Boden gestampft, obwohl augenscheinlich die notwendige Infrastruktur fehlt. Dieser schwerwiegende Eingriff in die Natur hat uns regelrecht geschockt und noch lange beschäftigt. So langsam fordert die Schlussetappe die letzten Körner, denn der Stoneman bleibt hammerhart, beinhart, steinhart. Die Weiterfahrt zum Fichtelberg, der schon der Hausberg von Oberwiesenthal ist, ist da fast nur noch ein Klacks. Von  dort gehts nur noch bergab auf der alten Rennrodelbahn in den Ort und zum Ausgangspunkt.

Unser Fazit: Der Stoneman auf sächsich der hat was.